Unser Kunde, Tom Koenigs, war der erste grüne Dezernent einer schwarz-grün regierten Großstadt. Öffentlichkeitsarbeit für Umweltthemen war – jenseits von Protest und Politik – ein Novum und es galt, neue Wege im Kommunikationsdesign zu finden, um die Themen einer heterogenen, großstädtischen Bevölkerung zugänglich zu machen.![]()
Die Probleme in der Kommunikation hatten eine Gemeinsamkeit: Sollte sich die Arbeit als langfristig erweisen, musste das bewusste Verhalten der Menschen dauerhaft verändert werden. Die bisherige Kommunikation in diesem Bereich war zum einen inhaltlich eher rudimentär, und zum anderen von Lustlosigkeit und Kleingeist geprägt. Ein neues Erscheinungsbild musste gefunden werden. Inhalt und Form sollten in eine fröhliche und motivierende Einheit gebracht werden. Teilhaberschaft statt Teilnahmslosigkeit.
Unsere Aufgabe fing bei den drucktechnischen Problemen von Recyclingpapier an und hörte bei Themen wie Gewässereutrophierung, Ozonbelastung, Schadstoffsammlung oder aber auch bei einer an den Bedürfnissen von Menschen orientierten Stadtplanung wie dem Frankfurter GrünGürtel-Projekt nicht auf.

Wir benötigten ein Sprachsystem, dessen Absender unmissverständlich dem Dezernenten zugeordnet werden konnte, und das in dieser Form so noch nicht gesehen war, um gehört zu werden. Wir benutzten hierzu Alltagsgegenstände, die durch gezielte illustrative Verfremdung ihrem Kontext entrissen wurden ohne sie dem Betrachter fremd werden zu lassen.
Die Bilder mussten erkannt werden, um die damit verpackten Informationen als relevant und lesenswert einzustufen. Der Ort der Kommunikation war der öffentliche Raum und die persönliche Kontaktstelle zum Bürger, sein Briefkasten. Wir planten eine Verteilung als Hauswurfsendung und mussten vermeiden, dass die Flyer im dunklen Briefkasten untergingen. Daher testeten wir verschiedene Formate und entschieden uns für ein längs gefaltetes Hochformat, das beim Einwurf noch leicht aus dem Briefkastenschlitz herausschaute. Bereits nach der Verteilung der ersten Flyer wurde uns klar, was wir damit geschaffen hatten. Wir hatten ein effizientes Kommunikationstool für die neuen Themen des Dezernats und erreichten in bisher ungeahntem Ausmaß und erstaunlicher Effektivität eine breite Öffentlichkeit und die Medien.


Auf diesem Erfolg aufbauend, wurden die Erscheinungsbilder der einzelnen Ämter und Referate überarbeitet oder komplett neu erstellt. Die Bildsprache sollte sich zwar voneinander unterscheiden, die eigene Individualität war wichtig, der Absender war aber dennoch immer das Dezernat für Umwelt, Energie und Brandschutz, der neue Dezernent Tom Koenigs. Die Kommunikation wurde sowohl stärker in den öffentlichen Raum gebracht, als auch in jüngere Zielgruppen. Sie wurde mit der Zeit variiert, verfeinert und entwickelte sich mit neuen Aufgaben weiter. Langfristig und nachhaltig sollte die Möglichkeit genutzt werden, das Bewusstsein der Einwohner dieser Stadt zu öffnen für Themen, die uns Heute als selbstverständlich erscheinen.

So entstand eine Vielzahl an Materialien für Kinder und Erwachsene, die zum Mitmachen, Sicheinbringen und zum bewussten Erleben von Umwelt motivierten. Der Wert „Umwelt“ entstand durch das persönliche Erfahren; der Schutz der Umwelt durch seinen Gebrauch. Wir brachten Schulklassen in Streuobstwiesen, erklärten im Spiel die Notwendigkeit und Funktion von öffentlichen Grün- und Freiflächen und riefen dann zu Drachenbauwettbewerben, Biotopkartierungen, Begrünungen von Hinterhöfen oder aber auch einfach nur zum bewussten Umgang mit alltäglichen Gebrauchsgegenständen auf.
Dabei entwarfen wir die ersten Ideen zu fraktalen Erscheinungsbildern, deren konkretes Aussehen sich durch das Mitmachen der beteiligten Gruppen selbst bestimmte. Gleichzeitig entwickelten Fachtagungen und Veranstaltungsreihen wie „Stichwort Umwelt“, „Stadt Land Dialog“ oder auch die „Tage der Umwelt“ eine Dynamik, die uns zeigte, dass die Botschaft beim Bürger angekommen war, und der Dialog gelungen.
Die Arbeiten für das Frankfurter Dezernat für Umwelt, Energie und Brandschutz entstanden in den Jahren 1989–1996. Diese Arbeit hat wie keine andere das Verständnis von Kommunikation unserer Agentur bis heute geprägt.
Alle Lebensumstände sind ein Produkt von Kommunikation und daher durch Kommunikation veränderbar. Realität ist der gesellschaftliche Konsens, der den Stand der Kommunikationsfähigkeit einer Gesellschaft beschreibt. Diese Realität ist veränderbar. Das Mittel der Veränderung ist das Versprechen, dass etwas besser werden kann.